Ursula Niehaus, Die Stadtärztin (History)

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stadtaerztinUlm im 16. Jahrhundert: Die junge Agathe Streicher hat von klein auf die Passion, andere Menschen heilen zu wollen. Doch Frauen ist zu dieser Zeit das Arztstudium verwehrt. Sie eignet sich im Selbststudium ein umfangreiches Fachwissen an und beginnt dabei, die gängigen Behandlungsmethoden zu hinterfragen. Im Jahr 1561 leistet sie sogar den Arzteid auf die Ulmer Ordnung. Doch für ihre außergewöhnliche „Karriere“ zahlt sie auch einen hohen persönlichen Preis. Der Roman basiert auf wahren Tatsachen!

Mein Leseeindruck:
Unterhaltsam, spannend und ganz nebenbei auch noch lehrreich – rund um die historische Figur Agathe Streicher hat Autorin Ursula Nieshaus einen packenden, zeitgenössischen Schicksalsroman aufgebaut. Der simple Titel „Die Stadtärztin“ und das klassisch mittelalterliche Layout lässt den Leser auf den ersten Blick ja eher an einen der üblichen Mittelalter-Romane erwarten. Doch der Schreibstil von Frau Niehaus ist sehr flüssig und eingängig, man wird so schnell in die Geschichte rein gezogen. In dieser trifft dann Realität auf gut gemachte Fiktion. Viele der auftretenden Personen und beschriebenen Geschenissen sind tatsächlich geschichtlich belegt. Ob es aber wirklich eine intensive Liebesbeziehung zwischen der resoluten Agatha und und Kaspar Schwenckfeld (Reformator, Anführer einer spirituellen religiösen Bewegung) gab, ist natürlich nicht nachzuweisen. Aber eben auch nicht ausgeschlossen. Doch Handlungsaspekte wie diese machen die Erzählung so schön lebendig und abwechslungsreich. Ganz nebenbei erfährt man dann auch noch viele interessante Details rund um die Entwicklung der Medizin im späten Mittelalter. Wie zum Beispiel das sture Beharren auf alte Grundsätze, wie die Vier-Elemente-Lehre des griechischen Arzt Galen (2. Jahrhundert n. Chr.), die starke Ablehnung von neuen Denkansätzen, wie z.B. des „revolutionären“ Arzt und Alchemisten Paracelsus. Und mittendrin die großherzige Agatha, die sich trotz des Gespötts der Leute auch nicht zu schade war, arme Menschen im Siechenhaus menschenwürdig zu behandeln.Und durch Beobachtung und Schlußfolgerung sogar die Hintergründe der Gicht aufdeckt und behandelbar macht!

Sehr abwechslungsreiche Lektüre, die überhaupt nicht im History-Mief versumpft, das düstere Zeitalter im Gegenteil dem Leser farbenfroh und nachvollziehbar vor Augen führt. Klasse!
(SiN)

Knaur Verlag
gebundene Ausgabe, 432 Seiten
ISBN 978-3-426-66360-8
€ 19,99
VÖ: 03.11.2014
Verlags-Homepage: http://www.droemer-knaur.de

Kategorie: Bücher
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